Spirale im Blick: Wie du deine Menstruationstasse ohne Risiko nutzt
Die Menstruationstasse gilt vielen als die cleverste Alternative zu Binden und Tampons – doch sobald eine Spirale (IUP) im Spiel ist, meldet sich bei vielen die innere Stimme: „Zieht die Tasse nicht vielleicht an den Fäden?" Eine berechtigte Frage, die uns in den Kommentaren und Leserinnen-Mails regelmäßig begegnet. Zeit, sie endlich einmal gründlich zu beantworten.
Was passiert da eigentlich unten?
Zunächst zum Grundverständnis: Die Spirale sitzt in der Gebärmutterhöhle, die Tasse dagegen wird im Scheidenkanal platziert – unterhalb des Muttermunds. Beide bewegen sich also auf unterschiedlichen Ebenen. Die Fäden der Spirale hängen normalerweise ein bis zwei Zentimeter aus dem Muttermund heraus und liegen in der Scheide, also genau dort, wo sich auch die Tasse entfaltet.
Genau diese räumliche Nähe ist der Grund, warum Gynäkologinnen aufmerken – nicht, weil die Kombination grundsätzlich problematisch ist, sondern weil die Technik beim Einsetzen und Entfernen entscheidend ist.
Die Saugkraft-Frage: Mythos oder Risiko?
Eine Menstruationstasse bildet durch ihr Vakuum einen leichten Sog. Theoretisch könnte dieser Sog auf die Spiralfäden übertragen werden, wenn die Tasse zu nah am Muttermund sitzt oder zu kräftig entnommen wird. In der Fachwelt wird darüber diskutiert, wie relevant dieses Risiko wirklich ist.
Dr. med. Anja Rothmund, Gynäkologin aus München, bringt es auf den Punkt: „Ich sehe keine studienbasierte Evidenz dafür, dass Menstruationstassen die IUP-Lage häufig verändern. Wichtig ist aber, dass Patientinnen die Tasse nie am Vakuum ‚abreißen', sondern den Sog vor dem Entnehmen aktiv lösen."
Auch die Fachgesellschaften sind sich einig: Die Kombination aus Spirale und Tasse ist nicht verboten – sie verlangt nur etwas Achtsamkeit. Zum Vergleich: Beim Tampon mit Gleitbeschichtung wird ebenfalls diskutiert, ob beim Herausziehen an den Fäden gezogen werden kann. Das Risiko ist ähnlich gering, aber nicht null.
So entleerst und entnimmst du die Tasse richtig
Der Knackpunkt liegt in der Handhabung. Mit dieser Technik minimierst du das Risiko deutlich:
- Nicht an den Fäden entlang tasten, wenn du die Tasse greifst. Die Fäden können beim Hineingreifen verwirrt werden – halte sie lieber mit der anderen Hand sanft weg oder achte bewusst darauf, sie nicht mitzugreifen.
- Das Vakuum lösen, bevor du ziehst. Drücke die Tasse seitlich leicht zusammen oder zieh sie minimal nach unten, bis Luft nachströmt – erst dann gleitet sie raus. Wer an einer vollgesaugten Tasse zieht, erzeugt genau den Sog, den man vermeiden will.
- Die Fäden vorher prüfen. Nach dem Einsetzen der Spirale (und nach jeder Regel) kannst du mit gereinigten Fingern kontrollieren, ob die Fäden noch da sind und in gewohnter Länge herausragen.
- Bei kürzeren Fäden: Tasse etwas tiefer sitzen lassen. Manche Modelle lassen sich höher oder tiefer positionieren – bei Spirale eher etwas weiter unten, damit die Fäden nicht zwischen Tassenrand und Muttermund eingeklemmt werden.
Welche Tassenmodelle eignen sich besonders?
Nicht jede Tasse ist bei einer IUP gleich gut geeignet. In unserem Testlabor haben wir vor allem auf drei Merkmale geachtet:
- Weiche Silberware: Weichere Tassen entfalten weniger Druck nach oben und sitzen sanfter am Muttermund.
- Kurze oder abnehmbare Fadenstiele: Modelle mit kugelförmigem Ende statt langem Stiel reduzieren die Gefahr, dass Fäden sich verwickeln.
- Niedrige Höhe: Tassen mit geringerer Bauhöhe (unter 60 mm) bieten bei flacher Anatomie mehr Spielraum.
In unserem großen Vergleichstest haben mehrere Modelle mit weichem Rim und kurzen Stielen besonders gut abgeschnitten – die genauen Platzierungen findest du in unserem aktuellen Testbericht.
Checkliste: Spirale und Tasse sicher kombinieren
Zum Mitnehmen für die nächste Regel – gerne ausdrucken oder als Screenshot speichern:
✅ Nach der IUP-Einsetzung zwei Zyklen warten, bevor du mit der Tasse startest – so hat sich alles stabilisiert.
✅ Fäden regelmäßig kontrollieren (nach jeder Periode reicht).
✅ Vakuum vor dem Entfernen immer aktiv lösen.
✅ Tasse nicht zu hoch einsetzen – die Fäden sollten frei liegen.
✅ Bei unusual starkem Saugen oder Ziehen die Tasse wechseln oder Modell wechseln.
✅ Bei Fäden nicht mehr tastbar, Schmerzen oder ungewöhnlichen Blutungen: Tasse raus lassen und gynäkologische Praxis anrufen.
Was, wenn die Spirale trotzdem verrutscht?
Verschiebt sich die IUP (Expulsion nennt man das in der Fachsprache), passiert das meist in den ersten Wochen nach der Einsetzung – unabhängig von Menstruationsprodukten. Merkmale sind: Fäden deutlich länger oder kürzer als gewohnt, spürbares hartes Ende am Muttermund, oder eine plötzlich stärkere Blutung.
In dem Fall gilt: Tampon, Tasse und Schwimmen aussetzen und zeitnah zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt. Die gute Nachricht: Auch bei einer Expulsion ist die Verhütung meist nicht komplett unwirksam – aber die Lage sollte sichergestellt werden.
Fazit: Tasse und Spirale sind kein Widerspruch
Die Kombination aus Menstruationstasse und IUP ist absolut alltagstauglich – vorausgesetzt, du achtest auf die richtige Technik beim Einsetzen und Entfernen und kontrollierst die Fäden regelmäßig. Medizinisch gibt es keinen Grund, auf die nachhaltige und bequeme Tasse zu verzichten, nur weil eine Spirale sitzt.
Wer unsicher ist, ob das eigene Modell passt oder die Fäden zu kurz sind, sollte das beim nächsten Routine-Check kurz ansprechen. Gynäkologinnen sind die Frage meanwhile gewohnt – und können dir beim Blick auf deine Anatomie ganz konkrete Empfehlungen geben.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei individuellen Fragen zur Verhütung sprich bitte mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.